Mentale Gesundheit im Unternehmen:
Es gibt diesen Moment, den viele schon erlebt haben: Eine Kollegin oder ein Kollege verhält sich seit Wochen anders als gewohnt. Stiller, fahriger und irgendwie nicht ganz bei sich.
Man bemerkt es, es beschäftigt einen – doch nichts passiert. Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit, und ehrlich gesagt: Man weiß auch nicht so recht, wie man es ansprechen soll, ohne übergriffig zu wirken oder aus Angst, etwas Falsches zu sagen.
So oder so ähnlich passiert es täglich, in Unternehmen jeder Größe, in jedem Team.
Eine stille Epidemie
Was viele unterschätzen: Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Etwa 27,8 Millionen Menschen sind in Deutschland, pro Jahr, neu oder wiederholt betroffen. Das entspricht mehr als einem Drittel der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter.
Experten schätzen, dass jeder vierte Erwachsene im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer psychischen Störung erkrankt.
Im Arbeitskontext hinterlässt das deutliche Spuren.
Psychische Erkrankungen sind inzwischen der häufigste Grund für Arbeitsausfälle, mit durchschnittlich 36 Fehltagen pro Jahr. Dreimal mehr als bei körperlichen Beschwerden.
Noch schwerer zu erfassen ist, was täglich ebenfalls geschieht: Menschen kommen psychisch belastet zur Arbeit – aus Angst auszufallen, wegen Deadlines oder weil sie ihre Situation selbst noch nicht einordnen können.
Sie sind anwesend und doch nicht wirklich da.
Das hat seinen Preis. Für die betroffene Person, für das Team und für das Unternehmen.
Was wäre, wenn wir genauer hinschauten?
Psychische Belastung zeigt sich selten plötzlich. Sie schleicht sich ein. Es ist der Mitarbeitende, der sich zunehmend zurückzieht. Eine Führungskraft, die Fehler macht, die ihr früher nie unterlaufen wären. Jemand, der im Meeting immer öfter überreagiert oder gar nicht mehr reagiert.
Wer gelernt hat, diese Signale zu lesen, kann frühzeitig handeln. Nicht als Therapeutin oder Therapeut, sondern als Mensch, als Kollegin, als Freund, der hinschaut und fragt – aufrichtig und ohne Scheu.
Das klingt einfacher als es ist. Denn um jemanden wirklich ansprechen zu können, braucht es mehr als nur guten Willen.
Man braucht ein grundlegendes Verständnis psychischer Belastungen und ihrer möglichen Ausprägungen im Alltag, einschließlich der Veränderungen im Verhalten, die dadurch entstehen können, macht den entscheidenden Unterschied zwischen einem Gespräch, das wirklich hilft und das mehr Klarheit und Entlastung bringt.
Bei sich selbst beginnen – und dadurch andere stärken
Wer für andere da sein will, muss zunächst bei sich selbst ansetzen.
Resilienz ist dabei kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, sondern eine entwickelbare Fähigkeit. Sie wächst durch Selbstwahrnehmung, durch Achtsamkeit im Alltag und durch die bewusste Entscheidung, die eigene mentale Balance als Priorität zu behandeln und nicht als aufschiebbaren Luxus.
Wer versteht, wie Stress im eigenen Körper und im Geist wirkt, und passende Strategien zur Selbstfürsorge entwickelt, begegnet auch belasteten Kolleginnen und Kollegen gefestigter, klarer und weniger reaktiv.
Die Kunst des richtigen Gesprächs
Schwierige Themen anzusprechen gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Berufsalltag. Manchmal fehlen einem einfach die passenden Worte.
Man will nicht zu viel hineininterpretieren. Man will auch niemanden ungewollt unter Druck setzen und man möchte auf keinen Fall ein Fass aufmachen, dessen Tiefe man nicht abschätzen kann.
Wer jedoch lernt mit ungeteilter Aufmerksamkeit da zu sein und zuzuhören, verändert damit die Qualität von Gesprächen grundlegend.
Gewaltfreie Kommunikation, ein bewusster Umgang mit Sprache und das feine Gespür dafür, wann Klarheit gefragt ist und wann ein vorsichtiges Herantasten mehr bewirkt, sind Fähigkeiten, die sich entwickeln, üben und verfeinern lassen.
Arbeitsräume, die uns stressen oder die uns stärken
Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz ist nicht allein eine Frage der Menschen. Sie wird auch vom Arbeitsumfeld und der gelebten Arbeitskultur wesentlich mitgeprägt.
Unruhe, die die Konzentrationsfähigkeit stört. Licht, das ermüdet. Eine erlebte Akustik, die unterschwellig und nonverbal Unruhe erzeugt. All das sind keine Nebensächlichkeiten, sondern Faktoren, mit deutlichem Einfluss auf die Atmung, auf das Muskel-Skelettsystem, auf das Stressniveau, den Energielevel und auf das Wohlbefinden.
Wer den Arbeitsplatz aus dieser Perspektive heraus betrachtet, entdeckt oft überraschend einfache Ansatzpunkte zur Regulierung und Verbesserung der Arbeitssituation und damit auch der Arbeitskultur.
Regulationszeiten, die tatsächlich Erholung bringen. Gehirnfreundliches Arbeiten, das Arbeiten und Verarbeiten ermöglicht. Die Etablierung einer Gesundheitsinfrastruktur im Gebäude, die jedem ermöglicht seinen Arbeitstag eigenverantwortlich gesunderhaltend zu gestalten – auch ganz ohne den zehnten Kaffee.
Neugierig geworden?
All diese Kompetenzen lassen sich entwickeln: das frühzeitige Wahrnehmen, das wertschätzende Ansprechen, ein gesunder Umgang mit Stress und mehr Sicherheit im Miteinander. Es braucht dafür keine Therapeutenausbildung und auch keinen jahrelangen Prozess.
Es braucht Menschen, denen die eigene mentale Gesundheit und die anderer am Herzen liegt. Menschen die bereit sind, sich diesen Themen zu öffnen und die dafür ein gutes Handwerkszeug an die Hand bekommen.
Genau das ist die Idee hinter unserem My Mental Mentor Programm in Kooperation mit ElaaN wellbeing at work.
Mitarbeitende sowie Führungskräfte werden in einer praxisnahen Ausbildung Schritt für Schritt begleitet. Von den Grundlagen psychischer Gesundheit bis hin zu echten Gesprächssituationen und konkreten Werkzeugen für den Arbeitsalltag.
Möchten Sie mehr darüber erfahren?
Über Khristin D. Randazzo: Seit über 25 Jahre begleitet Khristin D. Randazzo Unternehmen auf ihrem Weg in neue Arbeitswelten – als Freiberuflerin, Expertin und Gründerin. 2024 rief sie ElaaN – wellbeing at work ins Leben. Die Gestaltung von Change-Prozessen auf Basis von Gesundheit und Energiemanagement greifen hierbei wirksam ineinander. Von 2000 bis 2024 unterstützte sie mit holicon – holistic concepts® bereits Unternehmen in Change-Prozessen – praxisnah und ganzheitlich. Im Fokus auch hier: gesunde Führung und ein Arbeitsklima, in dem Menschen aufatmen können. Zugleich war sie 2007–2011 Dozentin an der Fachhochschule Wiesbaden / Geisenheim, im Fachbereich Landschaftsarchitektur, Dozentin für das Thema „Ganzheitlicher Ansatz in der Freiflächenplanung“. Ihre Ausbildung ist interdisziplinär: Heilpraktikerin, Trauma Release Instructor (TRE), spirituelle Lehrerin und Grafik Designerin (OFG). Ihr Studium in China und Taiwan legte die Basis für diesen Werdegang: die Wechselwirkung von Mensch und Raum, ein Kerngedanke der chinesischen Medizin, prägt ihren Ansatz. „Ändert sich der Raum, ändert sich alles andere mit.“
Über Esther Bell: Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich Esther mit einer zentralen Frage: Was hält Menschen wirklich gesund – körperlich, mental und emotional? Als Sportwissenschaft begann ihr Weg bereits mit 18 Jahren als Trainerin. Es folgten Jahre auf internationalen Bühnen als Fitness-Professional und Presenterin, begleitet von Marken wie Reebok und Under Armour, Tätigkeiten als Fitness-Redakteurin sowie der gemeinsame Aufbau des Dienstleistungsunternehmens SHENTISPORTS mit ihrem Mann Christopher. Heute verbindet sie diese vielseitigen Erfahrungen mit modernen Ansätzen rund um Resilienz, Stressmanagement und ganzheitliche Gesundheit. Als Mitgründerin digitalen BGM-Plattform „Fitmit5“ unterstützt sie Unternehmen dabei, gesunde Routinen in den Alltag zu integrieren. Mit „My Mental Mentor“ setzt sie sich für mentale Gesundheit, echte Verbindung und Prävention in Unternehmen ein. In ihren Vorträgen treffen Wissenschaft und Leichtigkeit aufeinander – mit Impulsen zu Atemarbeit, Meditation, Entspannung, Bewegung und der kraftvollen Verbindung von Körper, Geist und Psyche. Ihr Ziel: Menschen nicht nur zu informieren, sondern nachhaltig zu inspirieren.
Über PD Dr. med. Friederike Schröck: PD Dr. Friederike Schröck ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Dozentin, Wissenschaftlerin und Unternehmerin. Ihr beruflicher Fokus liegt auf der Verbindung von moderner Psychiatrie, evidenzbasierter Lehre und ganzheitlichen Ansätzen zur Förderung psychischer Gesundheit.Seit Februar 2025 arbeitet sie als ärztliche Psychotherapeutin im MVZ Psyche in Bonn sowie als Psychiaterin in eigener Praxis. Zuvor war sie viele Jahre wissenschaftlich und klinisch an der Universitätsklinik Bonn tätig, wo sie neben ihrer Forschung auch Lehrformate entwickelte und Studierende sowie junge Ärzt:innen ausbildete. Ihre Habilitation unterstreicht ihren wissenschaftlichen Anspruch und ihre tiefe Verankerung in der akademischen Medizin. Neben ihrer klinischen Tätigkeit gründete sie die MM-Mental Motions GmbH und entwickelte das Programm My Mental Mentor. Damit begleitet sie Unternehmen auf dem Weg zu einer gesünderen, resilienteren Arbeitskultur – durch Vorträge, Workshops und die strategische Begleitung von Kampagnen zur psychischen Gesundheit. Ergänzt wird ihr Profil durch ihre Tätigkeit als Stress- und Entspannungstrainerin im Rahmen eines medizinisch-holistischen Gesamtkonzepts. Ihr Ansatz verbindet fundierte Wissenschaft mit praxisnahen Methoden, die sich direkt in den Alltag von Menschen und Organisationen integrieren lassen. Aktuell befindet sie sich in theoretischer Weiterbildung im Bereich Sozialmedizin sowie in Weiterbildung zur Psychonkologin. Ihr Ziel: psychische Gesundheit verständlich, wirksam und nachhaltig in Medizin, Arbeitswelt und Gesellschaft zu verankern.