Live-Workshop in Frankfurt: Wenn Technologie auf Begegnung trifft
Was passiert mit unseren Arbeitswelten, wenn KI immer mehr Aufgaben übernimmt? Welche Rolle spielt das Büro künftig noch – und wofür kommen Menschen überhaupt zusammen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Live-Workshop des flexible office network im September in Frankfurt.




Zwei Tage lang ging es um Räume, Technologie, Zusammenarbeit und Kultur – zunächst bei der DB Personenverkehr AG im Frankfurter Europaviertel, anschließend im WirkRaum von M.O.O.CON. Dabei zeigte sich schnell: Je mehr Technologie in unseren Arbeitsalltag einzieht, desto wichtiger wird die Frage, was Menschen bewusst gemeinsam tun wollen.
Arbeitswelt in neuer Dimension: DB Brick und DB Tower
Zum Auftakt begrüßte Sandra Liebich, Geschäftsführerin des flexible office network, die Mitglieder und Gäste bei der Deutschen Bahn. Im Mittelpunkt standen die neuen Arbeitswelten in DB Brick und DB Tower – zwei Gebäuden, die insgesamt rund 35.000 Quadratmeter Fläche für etwa 3.000 Menschen bieten. Unterschiedliche Geschäftsfelder, Gremien und Organisationsstrukturen sind an diesen Orten zusammengebracht worden; gleichzeitig sollten die Flächen tätigkeitsorientiertes Arbeiten ermöglichen und Teams unterstützen, die längst nicht mehr jeden Tag vollständig vor Ort sind.
Beim Rundgang mit Michael Rehschuh, Immobilienbeauftragtem DB Regio, und der Change-Expertin Alexandra Wattie, Senior Consultant bei M.O.O.CON, wurde sichtbar, wie vielfältig moderne Arbeitsorte inzwischen gedacht werden. Open Space bedeutet dabei eben nicht einfach „Wände raus!“ Konzentration, Austausch, Zusammenarbeit, Rückzug und informelle Begegnung brauchen unterschiedliche räumliche Antworten. Und so wird Activity Based Working vielleicht auch zu einer kulturellen Frage: Wissen Mitarbeitende, welcher Ort für welche Tätigkeit geeignet ist? Können sie ihre Arbeitsweise tatsächlich verändern? Und schafft die Organisation die Voraussetzungen dafür?
Made for Wellbeing: Setzt Wohlbefinden auf die Agenda!
Einen weiteren Blick auf die Qualität von Arbeitswelten brachte Barbara Gudehus, Concept Designer bei Interface, ein. Ihr Impuls „Made for Wellbeing“ stellte die Frage in den Mittelpunkt, wie Räume gestaltet sein müssen, damit Menschen sich darin tatsächlich wohlfühlen können. Wohlbefinden ist, so führte sie aus, ein wichtiger Faktor für Motivation, Zusammenarbeit und Produktivität.
Anhand von Beispielen aus Resimercial Design und Biophilic Design zeigte Gudehus, wie stark Materialien, Naturbezüge, Farben, Akustik und Raumgestaltung die Wahrnehmung eines Arbeitsortes beeinflussen können. Entscheidend sei dabei, Umgebungen zu schaffen, die unterschiedliche Bedürfnisse unterstützen. Sie müssen einen Grund geben, gerne zu kommen. Ihr Credo: „Feeling home“ sollte auch die Devise für das Büro sein.
Die Grammatik des Raumes
Der zweite Tag führte in den WirkRaum von M.O.O.CON. Michael Wiebelt, Partner und Lead Consultant, lenkte dort den Blick stärker auf die Wirkung von Raum. „Activity Based Working ist längst in Deutschland angekommen“, lautete eine seiner Beobachtungen. Gleichzeitig braucht Tätigkeit eben auch den passenden Raum. Konzentration braucht andere Bedingungen als kreativer Austausch, eine vertrauliche Unterhaltung andere als gemeinsames Lernen. Selbst die Denksituation verändert sich mit der Umgebung, wie wir schon im Workshop mit Markus Knöpfel in München diskutiert haben.
Wiebelt sprach in diesem Zusammenhang von der „Grammatik des Raumes“. Räume geben Orientierung, setzen Signale und beeinflussen, wie Menschen sich bewegen, begegnen und miteinander arbeiten.
Der Kollege, der keinen Schreibtisch braucht
Daran knüpfte die Praxiswerkstatt mit Sandra Liebich, Alexandra Wattie und Annett Bergk an. Ausgangspunkt war die Frage, wie sich Arbeitswelten verändern, wenn KI Recherche übernimmt, Informationen verdichtet, Routinen automatisiert, erste Entwürfe erstellt oder Wissen strukturiert. Wenn ein Teil der klassischen Schreibtischarbeit von Technologie unterstützt oder übernommen wird – wofür brauchen wir dann künftig noch das Büro?
Die Antwort darauf, wie die Arbeitswelt 2030 aussehen könnte, entstand nicht auf einer Präsentationsfolie, sondern in den Gesprächen der Teilnehmenden. In unterschiedlichen Gruppen und an verschiedenen Orten im WirkRaum wurde diskutiert, sortiert und weitergedacht. Dabei kamen immer wieder ähnliche Themen auf: informeller Austausch, gemeinsames Lernen, persönliche Teammeetings, Netzwerken, Zusammenarbeit und Teambuilding.
Auch Personal- und Feedbackgespräche, persönliche Begegnungen und Treffen außerhalb des unmittelbaren Arbeitskontexts wurden genannt. Gerade dort, wo Vertrauen, Beziehung, spontane Reaktionen und Zwischentöne wichtig sind, stößt Technologie an Grenzen.
Die Teilnehmenden bewegten sich durch die Räume, wechselten Perspektiven und führten intensive Diskussionen. Unterschiedliche Erfahrungen aus Planung, Architektur, Unternehmen, Beratung und Kommunikation kamen zusammen. Nicht jede Frage wurde abschließend beantwortet – und genau darin liegt der Wert der Workshops des flexible office networks.






Denn Arbeitswelten verändern sich. Jetzt gerade. Gleichzeitig auf mehreren Ebenen. Hybride Arbeit ist längst Realität, KI verändert Aufgaben und Prozesse, Flächen müssen anders genutzt werden und Organisationen suchen nach neuen Formen der Zusammenarbeit. Darauf gibt es keine Standardantworten. Aber es gibt Orte, an denen man diese Fragen gemeinsam stellen kann.
Drei Impulse aus Frankfurt
Das Büro braucht einen Grund.
Wenn Routinearbeit zunehmend ortsunabhängig oder mit Unterstützung von KI erledigt werden kann, gewinnen Zusammenarbeit, Lernen, Austausch und Begegnung als Gründe für Präsenz an Bedeutung.
Technologie und Raum müssen gemeinsam gedacht werden.
KI, virtuelle Planung und neue digitale Werkzeuge verändern Arbeit. Entscheidend ist, wie sie mit menschlichen Bedürfnissen, räumlicher Gestaltung und Organisationskultur zusammenspielen.
Gute Arbeitswelten entstehen nicht allein am Schreibtisch.
Informelle Gespräche, persönliche Teammeetings, Feedback, Netzwerken und gemeinsames Lernen lassen sich nicht einfach automatisieren. Räume können genau diese Begegnungen ermöglichen und fördern.
Vielen Dank an unsere Gastgeber:innen bei der Deutschen Bahn und bei M.O.O.CON, an alle Impulsgeber:innen und Mitwirkenden sowie an alle Teilnehmenden, die Frankfurt mit ihren Erfahrungen, Fragen und Diskussionen geprägt haben. Und nach zwei intensiven Tagen vor Ort geht der Austausch weiter: Das nächste Treffen des flexible office network findet virtuell statt. Genug Stoff dafür hat Frankfurt auf jeden Fall geliefert.